TAMBUM
Geschichte

Wie TAMBUM entstanden ist

2026-08-02 · Daniel Vishnya

Vier Scheiben auf dem runden Tisch, zwei Hände darauf — jede Scheibe zeigt, was sie gerade spielt

Eine Frage, zwei Workshop-Reihen im Jugendclub Manege Neukölln und über 20 Kinder: von der ersten Pappmaschine mit Arcade-Knöpfen bis zum Prototyp, der wirklich klang.

Am Anfang stand eine Frage, auf die niemand eine gute Antwort hatte:

Warum gibt es kein Musikgerät für Kinder und Jugendliche, das zum Zusammenspielen einlädt — und bei dem Musikmachen gleichzeitig Spaß macht und leicht zugänglich ist?

Eine Kiste voller Arcade-Knöpfe: das Rohmaterial der ersten Werkstatt
Eine Kiste voller Arcade-Knöpfe: das Rohmaterial der ersten Werkstatt

2024: die erste Workshop-Reihe

Beim Projekt „Rhythm Hacker", gefördert vom Bezirksjugendring Neukölln, haben wir im Jugendclub Manege in Berlin-Neukölln eine erste Reihe gestartet. Die Teilnehmenden haben dort nicht etwas nachgebaut, sondern selbst entworfen:

Ein Entwurf auf Papier: die Beatmaschine als Zeichnung, mit Krone und Knöpfen

„MANEGE BEAT" — der erste Prototyp aus Pappe, gebaut und bemalt von den Teilnehmenden

Aus Pappe, Filzstift und Arcade-Knöpfen: „MANEGE BEAT", das erste Gerät. Es sieht aus wie ein Spielzeug und war ein vollwertiger Entwurf — jeder Knopf hatte eine Aufgabe, die sich die Kinder selbst ausgedacht hatten.

Der Film zeigt den Workshop im Prozess: einen Nachmittag in der Werkstatt, gefilmt wie er war — mit allem Suchen, Warten und Ausprobieren, das dazugehört.

Über 20 Kinder und Jugendliche haben an dieser Pilotreihe teilgenommen. Die Rückmeldungen aus dem Jugendclub, von den Partnereinrichtungen und von anderen Künstlerinnen und Künstlern waren durchweg positiv — daraus sind neue Kooperationen entstanden.

Dahinter: Löten, Verkabeln, Programmieren

Ein Bedienfeld aus Pappe, daneben ein selbst gebautes Häuschen

Eine Hand führt Lötzinn an eine Verbindung

Sechzehn Arcade-Knöpfe auf der Bauplatte, dahinter die Verkabelung

Eine von Hand verkabelte Platine mit beschrifteten Anschlüssen

Unter der Pappe steckt echte Elektronik: ein Pocket Operator von Teenage Engineering — eine nackte Platine ohne Gehäuse —, dessen Tastenanschlüsse herausgeführt und mit selbst gebauten Knöpfen verbunden sind, die ein Kind auch trifft — beschriftet mit Kugelschreiber, weil die Beschriftung genauso zum Bauen gehört wie das Löten.

Beatmaschine 2.0

In der zweiten Phase wurde aus dem Pappmodell ein festes Gerät: die Beatmaschine 2.0 mit rundem Gehäuse und selbst gebauten RGB-Knöpfen. Es ist dieselbe Maschine wie vorher, nur weitergebaut — der Pocket Operator bleibt ihr Klangmotor, gelöst ist alles rein elektrisch, ohne eine Zeile Code.

Die Beatmaschine 2.0 auf dem Werkstattbock

Auf der Liste für die Weiterentwicklung stehen ein eingebautes Mischpult für Gitarren und Mikrofone, Lehrmaterial für verschiedene Erfahrungsstufen, ein robustes Transportgehäuse, ein klares Farbleitsystem sowie Lautsprecher und Akku für den netzunabhängigen Betrieb.

Ein Knopf leuchtet rot in der abgedunkelten Werkstatt
Ein Knopf leuchtet rot in der abgedunkelten Werkstatt

Vier Farben, vier Plätze

Der runde Tisch in vier farbige Viertel geteilt, in jedem Viertel Knöpfe

Hier ist schon zu sehen, worum es geht: Der Tisch ist in vier Viertel geteilt, jedes hat seine Farbe und seine Knöpfe. Niemand muss erklärt bekommen, wo sein Platz ist — die Farbe sagt es. Und weil der Tisch rund ist, gibt es kein Kopfende und keinen besseren Platz.

Was dabei sichtbar wurde

Ein Whiteboard mit dem Aufbau der Bedienung: Kreis, Sektoren, Zustände

Zwei Beobachtungen aus diesen Nachmittagen haben alles Weitere bestimmt.

Erstens: Kinder unter acht drücken überall. Jeder Druck muss zu Klang führen — und nie in ein Menü.

Zweitens: Sobald ein Werkzeug Schrift verlangt, fällt die Hälfte der Gruppe heraus. Nicht weil sie nicht wollen, sondern weil sie das Wort nicht lesen können oder die Sprache nicht kennen.

Wie es weitergeht

Werkbank mit vorbereiteten Bauteilen für den nächsten Workshop

Der Bezirksjugendring Neukölln fördert zehn weitere Workshop-Tage im Jugendclub Manege Neukölln — er hat das Projekt von der ersten Werkstatt an getragen. Danach soll die Reihe wandern: Schulen, Jugendzentren und öffentliche Orte in weiteren Städten, mit dem Schwerpunkt auf Kreativität statt auf technischem Können.

Auf dieser Basis entsteht TAMBUM

Der runde Tisch mit einem Ring aus farbigen Lichtern, im Dunkeln
Der runde Tisch mit einem Ring aus farbigen Lichtern, im Dunkeln

TAMBUM ist die Antwort auf beide Beobachtungen: fünf runde Knöpfe auf einem runden Tisch. Vier davon sind Stimmen — Bass, Akkorde, Flächen, Melodie — der in der Mitte führt und hält Tempo, Tonart und Musikrichtung für alle zusammen.

Alles, was es zu wählen gibt, liegt auf Ringen. Wer weiterdreht, kommt immer wieder an. Es gibt keinen Ort, an dem man sich verlaufen kann.

Ausprobieren lässt sich das auf der Startseite — der Tisch ist dort im Browser nachgebaut, mit denselben Klängen, die auch am echten Instrument aus den Lautsprechern kommen.

Teilen WhatsApp Telegram Facebook X LinkedIn Reddit E-Mail
Werkstatt Neukölln Prototyp Teenage Engineering Manege

Weiterlesen

← Alle Beiträge